Rückschau: Vom Dunklen ins Helle – Lesefestival der un/GE/ERhörten Stimmen 2026

Am 28. Juni 2026, an einem der heißesten Nachmittage des Jahres, unmittelbar nach dem Ende der Bachmanntage, versammelten sich zwanzig literarische Stimmen und Aref Alosh & Ensemble Lieder aus Kurdistan in der Villa For Forest zu einem gemeinsamen Schwellengang.

Von 17 bis 21 Uhr führte das Lesefest sein Publikum buchstäblich vom Hellen ins Dunkle – vom gleißenden Sommernachmittag in einen lauen Abend unter einem glutroten Mond, begleitet vom Ruf vorbeiziehender Möwen. Trotz der Hitze folgten zahlreiche Besucher:innen der Einladung von Writers Space, sich auf einen vierstündigen Weg zwischen Traum und Wirklichkeit, Herkunft und Zukunft, Dunkel und Licht einzulassen.

Den poetischen Rahmen bildeten Regina Kleins Schwellengesänge. Wie ein roter Faden zog sich darin die Geschichte eines kurdischen Mädchens durch den Abend – in vier Lebensstationen erzählt und von leisen Instrumentalklängen begleitet.

Regina Klein / Aref Alosh & Ensemble

Zwischen den vier Wegmarken Schatten, Risse, Fort und Ort und Licht gestaltete Aref Alosh & Ensemble mit Liedern und Tänzen aus Kurdistan die Übergänge. So wurde die Musik weit mehr als Begleitung: Sie eröffnete eigene Klangräume und verband sich mit der Poesie zu einem gemeinsamen Schwellengang zwischen Kärnten und Kurdistan, Erinnerung und Aufbruch.

Schatten fragte nach den Bildern, Träumen und Erinnerungen, aus denen Geschichten entstehen. Johannes Tosin (Geschichten aus dem Traumaufzeichner), Christine Strobl-Oman (Traumaufstellung), Lilo Piskernik (Luzide Lebensträume) und Natalie Campbell mit ihrer Wort-Tanz-Performance zwischen zwiebeln (the pregnant version) machten das Dunkle zum Ausgangspunkt neuer Wahrnehmungen. Schon hier blitzte das Helle auf – tastend und zunächst kaum sichtbar, doch unaufhaltbar.

Natalie Campbell

Risse führte dorthin, wo Identitäten brüchig werden und Sprache neue Ausdrucksformen sucht und (er)findet. Andreas Lukas (Wenn Worte fehlen), Lisa-Marie Lehner (Die Lücken), Vera Still (Das Nichts), Marion Lederer (Filmriss) sowie Anna Fercher und René Gröger mit ihrem Dialog schICHtungen erzählten vom Zerbrechen und zugleich von der Möglichkeit, sich neu und immer wieder anders zusammenzusetzen.

Fort und Ort bewegte sich zwischen Herkunft, Fremdheit und Zugehörigkeit. Katrina Moglers betextete Live-Malerei (Das Haus der Sprachlosigkeit), Juditha Lehmkuhl (Stille Wasser), Rhonda Lamberty (Tänze, die niemals aufgeführt wurden), Agnieszka Überbachers poetischer Abschied vom Feigenbaum der Villa For Forest (Die Vertreibung aus dem Paradies) und Lena Haiders interaktiver Chorgesang (Nestbeschützerin) fragten danach, was bleibt, wenn Menschen, Orte oder Erinnerungen sich verändern.

Katrina Mogler

Licht schließlich öffnete den Blick auf Verwandlung und Aufbruch. Su Imhof (Liebesbrief an einen Vulkan), Gerhard Pleschberger (Woher nehm‘ ich meine Träume), Rosemarie Lederer (Dunkelheit, vielleicht), Susanne Pacher (Klavierleerfest) und Herwig Oberlerchner (Die Lesung) zeigten Hoffnung nicht als Gewissheit, sondern als feine Bewegung über die nächste Schwelle.

Zwanzig literarische Stimmen traten miteinander in einen lebendigen Dialog. Lyrik, Prosa, Performance, Musik und Improvisation ergänzten und widersprachen einander produktiv und eröffneten einen vielstimmigen Resonanzraum. Aref Alosh & Ensemble verlieh den Übergängen mit traditionellen Liedern aus Kurdistan eine eigene erzählerische Kraft und ließ Literatur und Musik zu einem gemeinsamen Erfahrungsraum werden.

Unser besonderer Dank gilt allen Autor:innen und Mitwirkenden: Aref Alosh & Ensemble mit ihren eindrucksvollen Liedern und Tänzen aus Kurdistan, Urška Supej und ihrem Technikteam für die souveräne Betreuung während des gesamten Festivals, Raimund Spöck für die Audioaufnahmen, Hans Wildholz für die fotografische Begleitung, Ilse Winkler für ihre einfühlsame Moderation sowie allen Helfer:innen hinter den Kulissen. 
Vor allem danken wir unserem Publikum, das diesen Schwellengang mit Offenheit, Aufmerksamkeit und vielen Gesprächen bis zum Ende begleitet und möglich gemacht hat.
Literatur entstand an diesem Nachmittag nicht nur auf der Bühne. Sie entstand im Dazwischen – zwischen Stimmen, Sprachen, Klängen und Menschen. Genau dort, wo Writers Space seit dem ersten Schreib(t)raum schreibt: auf der Schwelle.

alle Mitwirkende


(> zu den Biografien)

Veranstalter: Writers Space

Festivalteam:
Konzeption und künstlerische Leitung: Regina Klein
Organisation und Moderation:  Katharina Springer & Markus Schupp
Social Media und Webauftritt: Margarita Kinstner

alle Fotos © Hans Wildholz (Writers Space dankt herzlich für die Foto-Spende!)

gefördert durch das Land Kärnten, die Stadt Klagenfurt, den Kärntner Schriftsteller:innen Verband, die Gustav-Mahler-Privatuniverstität und KI – Digital. DANKE an alle, die dieses Lesefest möglich machten.


Alle Fotos im Album © Hans Wildholz.

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